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INRIX Inc.

12/06/2021 | Press release | Distributed by Public on 12/06/2021 23:16

INRIX Traffic Scorecard: Innenstadtverkehr nimmt zu und erreicht Vorkrisenniveau

  • Der Verkehr nimmt in Deutschland wesentlich schneller wieder zu als beispielsweise in Großbritannien oder den USA.
  • Deutsche Autofahrer*innen verlieren im Schnitt deutlich mehr Zeit im Stau als letztes Jahr (40 Stunden in 2021 vs. 26 Stunden in 2020), aber immer noch weniger als 2019 (46 Stunden).
  • Der staureichste Straßenabschnitt Deutschlands findet sich am Mittleren Ring in München.
  • Mit 148 Stunden jährlich stehen Londoner Autofahrer*innen weltweit am längsten.

Kirkland, 7. Dezember, 2021 -INRIX, Inc., ein weltweit führender Anbieter von Verkehrsanalysen und Connected-Car-Services, hat heute die Global Traffic Scorecard 2021 veröffentlicht. Die Staustudie identifiziert und bewertet Stau- und Mobilitätstrends in mehr als 1.000 Städten in 50 Ländern im Jahr 2021. Auch dieses Jahr hielt die Pandemie die Welt weiter in Atem, allerdings stieg mit dem Start der Impfkampagne die Mobilität zuletzt wieder stark an.

Besonders deutlich wird der Umschwung im Vergleich zum letzten Jahr, als der Verkehr in den Innenstädten auf das ganze Land gerechnet um 40 Prozent zurückging. In Städten wie Nürnberg (+ 29%), München (+ 15%) und Düsseldorf (+ 16%) nahmen die Fahrten in die Innenstädte über das Jahr 2021 gerechnet, verglichen mit Februar 2020, sogar zu (s. Tabelle 2). Mit Blick auf den Jahresverlauf zeigt sich, dass die weitreichenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen seit Juni zu einem deutlichen Anstieg und manchmal sogar zu einer Zunahme des Innenstadtverkehrs im Vergleich zum Vorkrisenniveau führten.

Tabelle 1: Fahrten in die Innenstadt verglichen mit dem Vorkrisenniveau (Februar 2020)

Städte April 2020 September 2020 Februar 2021 Juli 2021 Oktober 2021
Berlin -52% -8% -44% -20% -5%
Köln -65% -14% -39% 6% -3%
Frankfurt -62% -11% -38% -8% 0%
Hamburg -60% -10% -32% -11% -5%
München -65% 0% -38% 18% 15%

Interessanterweise fiel das Verkehrsaufkommen in den Innenstädten zu keinem Zeitpunkt unter das Niveau der ersten Welle. Nach diesem Einschnitt im Monat April 2020 variierte die Verkehrsdichte zwar je nach den geltenden Mobilitätsrestriktionen stark, die durchschnittlich 40% Rückgang aus dem Vorjahr blieben allerdings unerreicht. So hat sich zum Beispiel der Innenstadtverkehr im April 2020 in München mehr als halbiert, um dann im September letzten Jahres wieder auf das Vorkrisenniveau zu steigen. In der zweiten Welle im Februar 2021 ging der Innenstadtverkehr dann wieder um 19 Prozent zurück, allerdings nicht so stark wie im April des Vorjahres. Über die Sommermonate 2021 verzeichnete INRIX dann wieder eine starke Zunahme der Verkehrsdichte. In München stieg das Verkehrsaufkommen im Juli 2021 sogar um 18 Prozent über das Vorkrisenniveau vom Februar 2020, während es in Berlin zur selben Zeit noch 20% darunterlag. Mit der ab 24. November geltenden Home-Office-Pflicht und weiteren Corona-Maßnahmen im Zuge der steigenden Infektionszahlen in Deutschland ist jedoch wahrscheinlich wieder mit einem leichten Rückgang des Verkehrsaufkommens zu rechnen.

Deutlich mehr Verkehr in Deutschland als im Vorjahr
Deutschlandweit gesehen verbrachten Pendler*innen im Durchschnitt eine komplette Arbeitswoche (40 Stunden) im Auto. Das sind 14 Stunden mehr als 2020, aber immer noch sechs Stunden weniger als 2019.

Tabelle 2: Die zehn staureichsten Städte in Deutschland 2021 nach Staustunden

2021 Ranking

(2020)

Stadt Zeitverlust im Stau 2021 in Stunden (2020) [2019] Zeitverlust i. Vgl. zum Vorkrisenniveau 2019 Staukosten pro Fahrer Staukosten für die Stadtverwaltung (in Millionen €) Fahrten in die Innenstadt i. Vgl. zu Feb. 2020
1 (1) München 79 (65) [87] -9% 740 € 388M € 15%
2 (2) Berlin 65 (46) [66] -1% 610 € 823M € -5%
3 (4) Hamburg 47 (33) [48] -1% 443 € 291M € -5%
4 (29) Potsdam 46 (16) [35] 31% 428 € 27M € 4%
5 (24) Pforzheim 44 (18) [34] 29% 410 € 18M € 18%
6 (8) Düsseldorf 43 (27) [50] -15% 400 € 88M € 16%
7 (13) Köln 42 (24) [41] 4% 398 € 152M € -3%
8 (3) Nürnberg 41 (35) [42] -3% 382 € 71M € 29%
9 (28) Dresden 41 (16) [31] 32% 382 € 75M € 11%
10 (26) Münster 41 (18) [34] 19% 381 € 43M € 10%

Die Daten der Staustudie sind für eine Vielzahl weiterer deutscher Städte - unter folgendem Link verfügbar: https://inrix.com/scorecard/

In München verloren Autofahrer*innen mit 79 Stunden jährlich am meisten Zeit, gefolgt von Berlin (65 Stunden) und Hamburg (47 Stunden). Neu in der Top-Ten-Liste sind unter anderem das viertplatzierte Potsdam (46 Stunden), Pforzheim (44 Stunden) und Dresden mit 41 Stunden. In Potsdam sind die Verzögerungen voraussichtlich auf größere Baustellen und Vollsperrungen wie den Umbau des Leipziger Dreiecks zurückzuführen. Auch in Dresden haben wahrscheinlich mehrere Baustellen an verschiedenen Orten in der Stadt, wie der Bautzner Straße, erheblich zur Einschränkung des Verkehrsflusses beigetragen. Im Vergleich zu 2019 sparten sich die Autofahrer*innen allerdings in vielen Städten über das gesamte Jahr gesehen noch etwas Zeit. Zum Beispiel verloren Münchener (- 9%) und Düsseldorfer (- 15%) Autofahrer*innen weniger Zeit im Stau. In anderen Regionen nahm der Zeitverlust aber verglichen mit der Zeit vor der Pandemie sogar zu. So mussten Autofahrer*innen in Potsdam und Dresden bis zu einem Drittel mehr Zeit einplanen als 2019.

Das höhere Verkehrsaufkommen kostet aber nicht nur Zeit, sondern auch Geld: Der Zeitverlust summiert sich für jede*n Autofahrer*in in Deutschland durch Staus auf durchschnittlich 371€ im Jahr 2021, das sind 136€ mehr als im Vorjahr. Auch die Zahl der Unfälle nahm in diesem Jahr wieder um 4 Prozent zu. Eine Ausnahme vom Aufwärtstrend bildet der Bahn- und Busverkehr: In der ersten Jahreshälfte von 2021 beförderte die Deutsche Bahn[1] 57 Prozent weniger Passagiere als 2019 im gleichen Zeitraum.

Im Vergleich mit 2019 verbrachten deutsche Autofahrer*innen wieder verhältnismäßig viel Zeit im Stau im Gegensatz zu Pendler*innen in den USA oder Großbritannien. In den USA konnten sich Autofahrer*innen über verhältnismäßig flüssigen Verkehr im Vergleich zu 2019 freuen. In Washington D.C. benötigten Pendler*innen sogar 65 Prozent weniger Zeit als vor der Pandemie. Auch bei der durchschnittlichen täglichen Fahrleistung näherte sich Deutschland wieder den Werten vor der Pandemie an. Entsprechend war die Zeitersparnis im Vergleich zu anderen Ländern hierzulande geringer. Im internationalen Vergleich nach Zeitverlust belegte Deutschlands staureichste Stadt München 2021 den 26. Rang nach dem 20. Platz im Jahr 2020.

"Die Pandemie hat auch 2021 bestimmt, wann, wo und wieviel sich die Menschen bewegen. Allerdings hat der Verkehr im Vergleich zu 2020 wieder erheblich zugenommen: Die Zeit, die deutsche Autofahrer*innen 2021 im Stau verbracht haben, nahm wieder um 54 % zu," sagt Bob Pishue, Transportanalyst bei INRIX.

Auf dem Mittleren Ring in München dauert es 27 Stunden länger
Im Ranking der staureichsten Straßen Deutschlands schiebt sich München wieder nach vorn, hier lösten der Mittlere Ring (B2R) in München und die B76 in Kiel den Tempelhofer Damm (B96) in Berlin ab. Auf dem Abschnitt zwischen dem Petuelring und dem Heimeranplatz mussten Pendler*innen eine Zeiteinbuße von insgesamt 27 Stunden jährlich in Kauf nehmen, genauso wie Autofahrer in Kiel auf der B76 in südlicher Richtung zwischen der Bundestraße 503 und der Neuen Hamburger Straße. Viel Geduld mussten auch Hannoveraner Autofahrer*innen auf der B6 in nördlicher Richtung mitbringen, für sie ergab sich eine Verzögerung von 25 Stunden im Jahr. Der letztjährige Spitzenreiter unter den staureichsten Straßenabschnitten, die B96 aus Berlin, liegt dieses Jahr nur auf Platz vier. Dafür ist Berlin allerdings dieses Jahr gleich viermal unter den staureichsten Straßen vertreten.

Tabelle 3: Die zehn staureichsten Straßen in Deutschland 2021

2021 Ranking Stadt Straßenname Von Bis Tägliche Verspät-ung (Minuten) Jährliche Verspät-

ung (Stunden)

1 München B2R Mittlerer Ring Petuelring Heimeranplatz 7 27
2 Kiel B76 Süd Bundestraße 503 Neue Hamburger Str. 7 27
3 Hannover B6 Nord L190 Bremer Damm A2 AS Hannover-Herrenhausen 6 25
4 Berlin B96 Tempel-hofer Damm/ Mariendorfer Damm Süd Platz der Luftbrücke Reißeckstraße 5 21
5 Düsseldorf B8 Süd Brehmplatz Mecumstraße 5 21
6 Dresden Bautzner Straße w/b Mordgrundwasser Hansastraße 5 21
7 Berlin A100 Nord Dreieck Neukölln Dreieck Charlottenburg 5 20
8 Berlin B2 Nord Alexanderplatz Caseler Straße 5 20
9 Berlin Prenzlauer Allee/Promenade Nord Christburger Straße A114 AS Pasewalker Straße 5 20
10 Frankfurt B8 Frankfurter Landstraße/Hanauer Landstraße West Am Kreuzstein A661 AS Frankfurt-Ost 5 20

Weltweit am meisten Zeit verlieren Autofahrer*innen in London, Paris und Brüssel
In vielen europäischen Städten hat sich das Verkehrsaufkommen schneller wieder erholt als in den Städten, die letztes Jahr noch das Ranking anführten, wie Bukarest, Bogotá oder New York. Mehr als sechs Tage stehen Pendler*innen in London (148 Stunden) im Stau. Auch in Paris (140 Stunden) und Brüssel (134 Stunden) müssen Autofahrer starke Nerven haben. Während Autofahrer*innen in Bogotá nur halb so viel Zeit verloren wie vor der Krise, liegt der Zeitverlust in London nur noch ein Prozent hinter 2019 zurück. Insgesamt sind dieses Jahr im Ranking der 10 staureichsten Städte weltweit acht europäische Vertreter zu finden.

Tabelle 4: Die zehn staureichsten Städte weltweit 2021 nach Staustunden

2021 Ranking (2020) Land Stadt Region Zeitverlust im Stau 2021 (Stunden) Zeitverlust i. Vgl. zum Vorkrisenniveau 2019
1 (16) UK London Europa 148 -1%
2 (7) Frankreich Paris Europa 140 -15%
3 (24) Belgien Brüssel Europa 134 -4%
4 (21) Italien Palermo Europa 109 -20%
5 (4) Russland Moskau Europa 108 -15%
6 (18) Italien Rom Europa 107 -35%
7 (10) USA Chicago Nordamerika 104 -28%
8 (3) USA New York Nordamerika 102 -27%
9 (29) Frankreich Lyon Europa 102 -2%
10 (1) Rumänien Bukarest* Europa 98 -

* Neu in der Scorecard 2020, keine Werte für 2019

Der Zugang zu verlässlichen Daten ist der erste Schritt, um die Überlastung von Verkehrsinfrastrukturen durch Staus in Angriff zu nehmen. Der Einsatz von Big Data für intelligente Verkehrssysteme ist der Schlüssel zur Lösung von städtischen Mobilitätsproblemen. INRIX-Daten und -Analysen zu Mobilität, Verkehr und Verkehrssignalen, Parken und Bevölkerungsbewegungen unterstützen Stadtplaner und Ingenieure bei datenbasierten Entscheidungen. Dadurch können die Entscheider Ausgaben priorisieren, Nutzen maximieren und Kosten jetzt und in Zukunft senken.

Die Ergebnisse der INRIX 2021 Global Traffic Scorecard bieten einen quantifizierbaren Maßstab für Regierungen und Städte auf der ganzen Welt, um den Fortschritt beim Ausbau der städtischen Mobilität zu messen und die Auswirkungen von Ausgaben für Smart-City-Initiativen zu verfolgen.

Folgende weiterführende Materialien finden Sie unter https://inrix.com/scorecard/:

  • Vollständiger Bericht der 2021 Global Traffic Scorecard, einschließlich der Rankings für die USA, Großbritannien und Deutschland gerankt nach Staufolgen ("Impact Rank")
  • Interaktive Webseite mit Daten und Informationen für mehr als 1000 Städte und 50 Länder
  • Vollständige Methodik

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Hinweise für Redakteure:

Datenquellen
INRIX analysierte anonymisierte Daten aus verschiedensten Quellen wie zum Beispiel Datensätze aus Telefonen, Fahrzeugen und Städten, die diese präzisen Berechnungen ermöglichen. Die in der 2021 Global Scorecard verwendeten Daten zeigen das Verkehrsaufkommen der untersuchten Straßenabschnitte über den gesamten Tagesverlauf hinweg - Daten, auf die sich bereits Millionen Nutzer der INRIX-basierten Verkehrsdienste weltweit verlassen.

Forschungsmethodologie
Die INRIX 2021 Global Traffic Scorecard basiert auf der Methodologie der Traffic Scorecard von 2019 und 2020 und misst die Zeit, die ein Pendler durchschnittlich im Stau verbringt. Um noch genauere Ergebnisse zu erzielen, hat INRIX auch Pendlerstrecken über die Stadtzentren hinaus identifiziert und in den Berechnungen berücksichtigt, um das einzigartige Mobilitätsprofil jeder Stadt zu erfassen.

Die INRIX 2021 Global Traffic Scorecard berechnet den Zeitverlust bei Staus, indem sie die Haupt-, Neben- und Schwachverkehrszeiten berücksichtigt. Zusätzlich wurden die Gesamtkosten für den durchschnittlichen Fahrer und andere Indikatoren wie die Unfälle im Vergleich zum Vorjahr erhoben. Die Straßenabschnitte mit dem höchsten Verkehrsaufkommen sind nach den durchschnittlichen Verspätungsstunden pro Fahrer im Jahr 2021 geordnet. Mit diesem Ansatz ist ein ganzheitliches Verständnis in einer zunehmend komplexen Mobilitätslandschaft möglich. Weitere Kennzahlen sind online und im vollständigen Bericht verfügbar.

Über INRIX
INRIX ist ein weltweit führender Anbieter von dynamischen Services für das vernetzte Automobil und datenbasierte Verkehrsanalysen in Echtzeit. Das Unternehmen nutzt Daten aus verschiedenen Quellen um Mobilität intelligenter, sicherer und effizienter zu machen. Mit Mobilitätsinformationen zu allen Straßen weltweit sind wir bevorzugter Partner von führenden Automobilherstellern, Transportunternehmen und weiteren Unternehmen.

Mehr Infos unter INRIX.com.

PR-Kontakt
Philipp Hanke
+49 89 380179 48
[email protected]

[1] Deutsche Bahn, (2021). Deutsche Bahn: Integrated Interim Report, January - June 2021. Verfügbar unter: https://ir.deutschebahn.com/fileadmin/Englisch/2021e/Berichte/DB_ZB21_e_Web_PDF_01.pdf